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Fidelitas Nachtlauf: Die 80 Km Herausforderung von Karlsruhe durch den Kraichgau und den nördlichen Schwarzwald!

80 Km durch die Nacht, so hieß es in meinem Vorbereitungsbericht.1062378_460377124058560_1620358657_n
Letztendlich wäre ich froh darüber gewesen, die ganze Strecke bei Dunkelheit laufen zu können. Bevor es dunkel wurde musste ich mich erst 40 Km durch die Sonne und Temperaturen bis zu 28 Grad kämpfen!
Doch ich will von vorne beginnen.
Die Anreise mit dem Auto und meiner Fahrradbegleitung Tina an Bord war ziemlich unspektakulär. In Karlsruhe angekommen strahlte uns Sonne und ein Wolkenloser Himmel an. Ich hätte mich darüber gefreut, wenn ich vorgehabt hätte im Bikini am See zu liegen aber nicht unter diesen Bedingungen einen über 10 Stunden Lauf zu beginnen!
Das Fahrrad wurde aus dem Kofferraum gehievt und dann ging es ohne Umwege zur Startnummernausgabe. Ich war mehr als guter Dinge als ich meine Nummer entgegen nahm und meine Glückszahl gleich zweimal vorhanden war.
Tina und ich checkten nochmal den Rucksack, Lampen und Wasservorrat und pünktlich um 17 Uhr als der Startschuss erfolgte, lief ich über die Startlinie. Nun gab es kein Zurück mehr jetzt hieß es kämpfen!
Die ersten 5 Km begannen auf einem schmalen Waldweg und ich lief erst mal ohne meine Radbegleitung los, aber dafür in netter Gesellschaft von 182 weiteren Ultraläufern die das gleiche Ziel hatten, den Lauf zu finishen, die Zeit war nebensächlich.
Der Weg wurde breiter und endlich traf ich auch auf Tina mit ihrem Rad. Die ersten 20 Km waren entspannt zu laufen, die Läufer waren noch alle sehr dicht beisammen und es wurde wild über die verschiedenen Wettkämpfe untereinander diskutiert und gefachsimpelt so dass es uns nicht langweilig wurde, eine tolle Atmosphäre.
Bei Kilometer 30 angekommen sehnte ich mich nach Dunkelheit und der kühlen Nachtluft. Der Weg wurde durch Schotter mühsamer und es wurde steiler. Wir kämpften uns die ersten Berge nach oben, von denen es auf der Strecke noch etliche mehr geben sollte.
Gefühlte 40 Grad und eine unbarmherzige Sonne liesen mein Lauftempo langsamer werden. Dank Schweden-Tabletten und der Mischung von PEAK aus Glucofast und Protein überstand ich die ersten 40 Km dennoch bestens. Tina mischte mir mein Pulver immer frisch mit Wasser an, so dass es mir an Energie aus der Flasche nie fehlte. Außer ein paar Salzstangen und Gummibärchen die es an den Versorgungstellen gab, war meine Peak-Flasche mein einziger Energie- Lieferant und ich bin begeistert davon.
Nach gelaufenen 4 Stunden wurde es allmählich dunkler und die Nacht brach herein. Froh darüber das die Sonne meinen Lauf nicht mehr erschwerte mobilisierte ich neue Energie und ich fühlte mich gut. Eine Stunde später wünschte ich mir die Sonne wieder zurück. Die Luft kühlte dermaßen schnell ab, das ich mit Gänsehaut und mit einer laufenden Nase zu kämpfen hatte.
Ab Kilometer 50 wurden die Beine etwas schwerer und ich lief nicht mehr so leichtfüßig wie am Anfang dennoch hatte ich keinerlei Beschwerden und dem Mann mit dem Hammer muss ich wohl davon gelaufen sein, an dieser Stelle ein Dank an meinen Ernährungscoach Holger Gugg. Der Vollmond schien und erhellte uns teilweise den Weg. Etappenweise waren Tina und ich auf weiter Flur oder soll ich lieber sagen im dunklen Schwarzwald ganz alleine und ich war aufs Neue froh darüber, Tina mit dem Rad an meiner Seite zu wissen. Nun ging es im Intervall Berge rauf und runter, gerade Laufstrecken….Fehlanzeige. Umso tiefer wir in den Wald kamen umso dunkler wurde es und wir verfluchten uns, dass wir vor diesem Lauf nicht die Taschenlampen richtig gecheckt haben. Das Licht war mehr schlecht als Recht aber es half nix, wir mussten weiter.
Kilometer 60 und der Lauf schien kein Ende zu nehmen. Der Himmel zog zu und das Mondlicht verlies uns. Es wurde kälter, dunkler und mühsamer. Tapfer trabte ich weiter, Kilometer um Kilometer nur mit dem Ziel diesen Lauf zu finishen. Tina tat der Hintern und den Rücken weh und ich merkte langsam meine Waden und Oberschenkel.
Bei Kilometer 70 zog die Wolkenwand so zu, das es stark zu winden begann und ca. 3 Kilometer später spürte ich die ersten Regentropfen. Uns blieb einfach nichts erspart.
Bei Kilometer 75 war es dann soweit, die Kräfte Verließen mich und ich konnte nur noch gehen! Mitten im Wald trafen wir dann auf Roland und Thomas die so lieb waren und uns auf den letzten Kilometern Gesellschaft leisteten. Die Zwei waren erfahrene Ultraläufer, kamen aus Wiesbaden und lenkten uns sehr gut von unseren Schmerzen und Erschöpfung ab in dem es flotte witzige Sprüche und Erzählungen von vorangegangenen Läufen gab. Sie begleiteten und bis zum Ziel und wir waren ihnen sehr dankbar dafür!
Als ich das Flutlicht vom Stadion sah in dem unser Zielbogen stand, war ich in diesem Moment wohl der glücklichste Mensch auf Erden! Ich raffte meine letzten Reserven zusammen und trabte mit einem breiten und sehr glücklichen Lächeln die letzte Runde ums Stadion und überquerte nach 10:31 Stunden erschöpft aber zufrieden die Ziellinie.
Zwei Meter später konnte ich kein Schritt mehr gehen ich wollte einfach nicht mehr. Ich bekam meine hart erkämpfte Finishermedalie um den Hals gehängt und die Glückwünsche waren überschaubar da kaum ein Mensch um diese Uhrzeit mehr im Zielbereich war.
Ich holte meine Urkunde ab und konnte es erst nicht glauben dass ich den dritten Platz meiner Altersklassen belegt habe. Noch schnell meinen Pokal am Nebentisch abgeholt, ein Jubelschrei, ein Finisher-Foto für die lieben Menschen die meinen Lauf auf Facebook mit verfolgt haben und mich enorm motivierten. Und dann gab es kein halt mehr, Auto aufsuchen, Gepäck, Fahrrad, Tina und Pokal einladen und ab nach Hause ins schöne warme, weiche Bett und kein Muskel mehr rühren.
Resümee: ein Wahnsinns Lauf! Eine Erfahrung die ich nicht missen möchte und eine Herausforderung die mich stärker gemacht hat und die Überzeugung, Ultralangstrecke ist meine Passion!
Lasst es laufen Eure Viola

27. Juni 2013 | Laufberichte, Neuigkeiten | 4

4 Responses to Fidelitas Nachtlauf: Die 80 Km Herausforderung von Karlsruhe durch den Kraichgau und den nördlichen Schwarzwald!

  1. Alen sagt:

    Wenn du was machst, dann gleich richtig – dirket auf Platz 3!
    Einfach nur Hammer 🙂 Du hast echt meinen allergrößten Respekt!

  2. Marco sagt:

    Hallo Viola,
    sehr schöne Page hast Du hier. gefällt mir sehr gut und ich werde öfters vorbeischauen.
    Glückwunsch zum tollen 80km Finish. Schafft nicht jeder seinen ersten Ultra zu finishen, die Zeit ist für einen halben NachtUltra auch ziemlich gut.

    Liebe Grüße
    vom Soulrunner

    Keep on Soulrunning 🙂

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